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Ziel und Konzept

Der für die im Ausland lebenden türkischen Staatbürger zuständige Staatsminister Herr Faruk ÇELİK, plant in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Strategische Forschung der Universität Hacettepe (HÜSAM) und unter der Schirmherrschaft des Premierministers der Republik Türkei, Herrn Recep Tayyip Erdoğan mit dem Symposium „Türken im Ausland: 50 Jahre Migration und Integration“ das Thema der Migration von Türken über ein knappes halbes Jahrhundert zu bewerten und in diesem Zusammenhang die Ist-Lage, die Errungenschaften, die Probleme, zukunftsgerichtete Erwartungen und Strategien in einem akademischen und multilateralen Umfeld zu behandeln. Für das vom 21. bis 23. Mai 2009 in Ankara (Bilkent Hotel & Conference Center) stattfindende Symposium ist die Teilnahme der betroffenen Parteien und der Fachleute auf höchster Ebene und im weitesten Sinne vorgesehen. Das Symposium stellt die türkischen Emigranten in den Mittelpunkt und verfolgt einen lösungsorientierten Ansatz mit dem Ziel, das Thema mit allen seinen Aspekten zu behandeln und anschließend vorhandene und/oder eventuelle Probleme aller Beteiligten der Migration zu diskutieren und die Lösungsvorschläge zu bewerten. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) zeigt ein besonderes Interesse an diesem Symposium, da die Phänomene Migration und Integration ein multilaterales internationales Thema darstellen. In diesem Rahmen wird zur Bewertung der internationalen und globalen Ebenen des Themas mit der IOM aktiv zusammen gearbeitet.

Aufgrund des multilateralen und interaktiven Wesens der Migration und Integration werden Vertreter von internationalen Organisationen und Einrichtungen, Akademiker, Politiker und höhere Beamte aus Staaten, in denen Türken intensiv leben, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen sowie türkische Staatsbürger, die im Ausland erfolgreich geworden sind, eingeladen. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Teilnehmer/-innen im weiten Sinne unterschiedliche Meinungen vertreten und dadurch eine Meinungsvielfalt erzielt wird.

Das Symposium umfasst neben den allgemeinen Sitzungen auch Arbeitsgruppen, in denen jeweils drei Referenten/-innen teilnehmen und spezielle Aspekte der Migration und Integration unter Fachleuten diskutiert werden. Bei dem drei Tage dauernden Symposium wird in den Sprachen Türkisch, Deutsch und Englisch simultan übersetzt. Die Vorträge und weitere Präsentationen werden anschließend in drei Sprachen veröffentlicht. Dadurch sollen Meinungen und Ergebnisse, die einen Beitrag zu diesem Prozess leisten, in der internationalen Öffentlichkeit bekannt werden.

Die Migration als die Widerspiegelung der Suche der Menschen nach einem besseren Leben ist ein vielseitiger Prozess mit mehreren Beteiligten. Im Zetrum dieses Prozesses steht das Individuum. Andere Mitwirkende sind das Auswanderungsland („das Vaterland“) und das Einwanderungsland. Die Migration hat für alle drei Beteiligten äußerst bedeutende gesellschaftliche, kulturelle, emotionale, wirtschaftliche, politische und rechtliche Auswirkungen. Es ist bekannt, dass sich die auf der Welt intensiv erlebte Migration wegen der durch die globalisierte Wirtschaft hervorgerufenen Bedürfnisse und durch die Entwicklungen der Verkehrsmittel und der Kommunikationstechnik tagtäglich verstärkt. Während einerseits die Themen Emigranten und Integration in den meisten industrialisierten Ländern als „Probleme“ betrachtet werden und umstritten sind, nimmt andererseits der Bedarf an ausländischen Arbeitskräften, insbesondere aus demographischen Gründen, laufend zu. Dieses Bedürfnis und die über ein halbes Jahrhundert andauernden Erfahrungen der Einwanderungsländer haben sie dazu bewegt, neue Migrationspolitiken zu entwickeln. Gegenwärtig werden diese nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch auf internationaler Ebene heftig diskutiert. Diese Aspekte der Migration und Integration als globale Phänomene, die fortwährend an Bedeutung gewinnen, werden als Themen des Symposiums behandelt.

Die Auswanderung der Türken hat gegen Ende der 50er Jahre mit individuellen Auswanderungen begonnen und hat sich nach der Schaffung der rechtlichen Grundlage durch die bilateralen Abkommen über die Aussendung von Arbeitskräften, zuerst mit der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1961, dann mit Österreich, Belgien, Frankreich, Niederlande, Schweden, der Schweiz, England und Australien, intensiviert. Im Rahmen der Arbeitskräfteabkommen erfolgte bis Anfang der 70er Jahre eine rasche Auswanderung aus der Türkei, was nach der ersten Ölkrise abgeklungen und im Anschluss daran fast zum Stillstand gekommen ist und sich eher in Form der Familienzusammenführung fortgesetzt hat.

Die Auswanderung der Türken zur Arbeit im Ausland, die sich am Anfang mit einer nicht voraussehbaren Intensität entwickelte, wandelte sich zu einem komplexen Problem, als deutlich wurde, dass die Emigranten „etwas mehr als“ Arbeiter in Fabriken, im Bergbau, auf Baustellen waren. Als jedoch die türkischen Emigranten ab der 80er Jahre eine beachtliche Bevölkerungszahl erreicht hatten und dazu neigten, nicht mehr zurückzukehren und sich im Einwanderungsland nieder zu lassen, rückten sie in die öffentliche Wahrnehmung. Die ironische Feststellung des Schriftstellers Max Frisch über die Tragödie der türkischen Emigranten, „wir riefen Arbeiter, und es kamen Menschen“, ist eine treffende Aussage zum speziellen sozialen Aspekt, der von allen Parteien vernachlässigt worden war. Inzwischen sind sie mehr als fünf Millionen geworden, von denen die meisten ihr Einwanderungsland zu ihrer Wahlheimat gemacht und dort ihr Leben neu aufgebaut haben. Ein beträchtlicher Teil hat die Staatsbürgerschaft gewechselt. Etwa fünfzig Prozent der türkischen Emigranten sind im Einwanderungsland zur Welt gekommen. Die in den Einwanderungsländern geleisteten Beiträge und die erlebten Probleme der türkischen Emigranten, deren Zahl und Qualifikationen von Land zu Land unterschiedlich sind, haben sich ebenfalls im Laufe der Zeit verändert. Trotz aller Knappheit und Beschränkung haben türkische Emigranten mit ihren Erfolgen in vielen Bereichen, zum Beispiel der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder dem Sport einen Platz in der Gastgebergesellschaft gefunden und sie bereichert. Wegen dieser oft erfolgreichen Problem-Bewältigung in verschiedenen Bereichen besteht Anlass, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Ein wichtiges Ziel des Symposiums ist es, Integrationspolitiken zu entwickeln, die diesen Reichtum und den Beitrag der Emigranten dazu steigern werden.

Emigranten, am öffentlichen Leben die in ihren Einwanderungsländern aktiv teilnehmen, sich entwickelt haben, in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen Bereichen erfolgreich wurden, sind ohne Zweifel ein Gewinn sowohl für das Einwanderungsland, als auch für die Türkei. In diesem Zusammenhang ist es offensichtlich, dass die Themen Integration und Migration für alle Beteiligten einen gemeinsamen Interessenbereich darstellen und dass sie einer, vor allem von gegenseitiger Angst und Besorgnis befreiten, gutwilligen und gemeinsamen Bemühung bedürfen, damit sie sich nicht in ein „Problem“ verwandeln.

Nach dem Ende der bipolaren Weltordnung, insbesondere nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in den USA hat es sich als eine unvermeidliche Tatsache herausgestellt, die Themen Migration und Integration sehr ernsthaft mit ihren religiös-kulturellen Besonderheiten zu betrachten. Die „Islamophobie“, sowohl wegen physischer Gewalt und Terror, als auch als ein besorgniserregendes Thema in kultureller Hinsicht, bereitete die Grundlage für die Entwicklung von diskriminierenden Politiken gegen islamgläubigen Emigranten. Noch viel besorgniserregender ist es, dass diese diskriminierenden Politiken in der Gesellschaft nicht auf genügenden Widerstand stoßen, sogar von Zeit zu Zeit Unterstützung finden, obwohl die Grundrechte und individuellen Freiheiten wesentlichste Werte in diesen Ländern sind. Stattdessen sollten als wesentliche Merkmale einer aufrichtigen Integrationswilligkeit solche Politiken befolgt werden, die die Emigranten einbinden, deren Meinungen achten, Freiheit für die Ausübung ihrer Kulturen gewähren, sie anerkennen und ihre Teilnahme fördern, sie also nicht ausstoßen. Offensichtlich dienen alle Bemühungen zur Integration der Emigranten in erster Linie dem Einwanderungsland. Deshalb ist der Schlüssel zur Integration für beide Seiten solche Ansätze zu fördern, welche die Emigranten nicht als Gefahr, sondern als Gewinn und Bereicherung ansehen. Weitere wesentliche Themen des Symposiums stellen die Art und Weise sowie die Methoden dar, die helfen, Emigranten nicht nur zu passiven Objekten des Integrationsprozesses zu machen, sondern sie als aktive Bestandteile und Teilnehmer einzubinden.

In einigen westeuropäischen Ländern, in denen viele türkische Emigranten leben, kommen in den letzten Jahren die „Türken“ oder die „Türkei“ öfters als Thema heftiger politischer Diskussionen auf die Tagesordnung. Es ist auch bekannt, dass diese Diskussionen, die sich vor Wahlen in diesen Ländern intensivieren, insbesondere die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union behandeln. Deshalb wird sich ein weiteres Thema des Symposiums mit den politischen, gesellschaftlichen und emotionalen Rollen dieser Umstände befassen und deren Auswirkungen auf den Integrationsprozess der türkischen Emigranten.

Ein anderes wichtiges Thema des Symposiums werden die neuen Ansätze für Migration und Integration sein. Gegenwärtig finden neue Migrationspolitiken einerseits Platz in den nationalen Gesetzgebungen und andererseits werden sie auf internationalen Plattformen diskutiert, wie im globalen Migrationsforum, beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bei der euro-mediterranen Partnerschaft (EUROMED) und beim Barcelona-Prozess. In diesem Zusammenhang wird unter Berücksichtigung der globalen Dimension der Themen „Probleme der Emigranten und Integration“ die Möglichkeit eingeräumt, dass kompetente Vertreter der betroffenen internationalen Einrichtungen - unter anderem der Internationalen Organisation für Migration (IOM), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), des Europäischen Gerichtshofes, des Europarats, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) - ihren Beitrag leisten, wenn diese Themen im Rahmen der neuen Entwicklungen und Planungen als auch im Hinblick auf das Migrationsrecht behandelt und die möglichen Auswirkungen dieser Ansätze auf die Emigranten sowie auf die Herkunfts- und Zielländer diskutiert werden.

Die Entwicklung von lösungsorientierten Politiken, die die Tatsache in den Mittelpunkt stellen, dass die Integration der Emigranten für alle drei Beteiligten einen Gewinn darstellt, erfordert zwingend eine intensive Zusammenarbeit der Auswanderungs- und Einwanderungsländer. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung der gegenwärtigen und zukünftigen Rolle der Türkei bei der Integration der Emigranten aus Anlass des Symposiums bewertet.

Weitere Themen, die auf dem Symposium umfangreich behandelt werden sollen, sind Bildungsprobleme, Muttersprachenlehre, Religionslehre, Berufserwerb, Arbeitsrechte, Bürgerrechte und weitere politische Rechte, Arbeitslosigkeit bei Emigrantinnen, wirtschaftliche und finanzielle Probleme, sowie die Rolle der NGOs und der Medien.

Im Symposium „Türken im Ausland: 50 Jahre Migration und Integration“ werden mit der Teilnahme sämtlicher betroffenen Parteien Antworten zu den nachstehend aufgeführten, aber nicht damit begrenzten Fragen gesucht und mit einem lösungsorientiertem Ansatz ein Beitrag zum Integrationsprozess angestrebt:

  • Wie ist das Gesamtbild der türkischen Emigranten im vor dem Hintergrund ihrer 50-jährigen Geschichte?
  • Was ist die grundlegende Verantwortung der Betroffenen unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Integration ein vielseitiger Prozess ist?
  • Welche Rollen spielen die Bürgerrechte und insbesondere die Doppelstaatsbürgerschaft im Integrationsprozess, welche weiteren Rollen können ihnen zugewiesen werden?
  • Was sind die Probleme im Hinblick auf die Rechte der Emigranten?
  • Inwieweit haben die nach den Anschlägen des 11. September 2001 gegen die Muslime im Westen entstandenen Vorurteile das Leben der Emigranten beeinflusst?
  • Wie wirkt die „Islamophobie“ auf die Regelungen zur Integration und deren Praxis?
  • Wie kann dagegen gewirkt werden, dass Emigrantenfeindlichkeit als ein politisches Mittel genutzt wird?
  • In welchem Rahmen ist der Begriff „multikulturell“ in Bezug auf den Integrationsprozess zu bewerten?
  • Welche Strategien können entwickelt werden, damit die Emigranten mehr an der Gesellschaft teilnehmen?
  • Wie kann es verhindert werden, dass sich die Emigranten aus der Gastgebergesellschaft ausgestoßen fühlen?
  • Welche Rollen spielen die Medien, NGOs u.ä. im Rahmen der Dynamik des Integrationsprozesses, die in Wechselwirkung mit den wesentlichen Beteiligten der Migration stehen?
  • Welche Beiträge kann die Muttersprachenlehre zum Integrationsprozess leisten?
  • Welche Rolle spielen die Emigrantinnen im Integrationsprozess?
  • Welche Politik ist für die Bildung von Emigrantenkindern und Erwachsenen zu entwickeln?
  • Was können die Maßnahmen für türkische Schulabbrecher sein?
  • Wie können sich Beitrag und Methode zur Verbreitung der Berufsausbildung unter jungen türkischen Emigranten im Rahmen der Integrationspolitiken gestalten?
  • Welche Maßnahmen können zur Vermeidung von diskriminierenden Handlungen getroffen werden?
  • Wie können Religionslehre und Religionsdienste im Integrationsprozess gestaltet werden?
  • Was für Probleme erfahren türkische Emigranten bezüglich ihrer Arbeitsrechte?
  • Welchen Einfluss haben die Medien in der Türkei und im Einwanderungsland auf die Integration türkischer Emigranten und durch welche Medienpolitik kann die Integration verbessert werden?
  • Was sind die neuen Integrationspolitiken und -modelle im Lichte der neuen Entwicklung?
  • Welche Rolle spielen die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU im Integrationsprozess?



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